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Die frühen Jahre
Aus dem Aktstudium vor dem Modell ging in den frühen Jahren unter anderem
"Sitzender weiblicher Akt, Mademoiselle Rose" (1820/21; Staatliche Museen
zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Nationalgalerie) hervor, ein Gemälde,
das Delacroix' Beschäftigung mit den Werken von Rubens und Rembrandt anklingen
lässt, und gleichzeitig als Wendepunkt in seinem Schaffen, als Zeugnis einer
höchst sensitiven und ausdrucksstarken Verwendung der Farbe erkannt wurde.
Seine Porträts jener Jahre, etwa das bezaubernde "Bildnis Madame Simon"
(1828; Staatliche Kunsthalle Karlsruhe), aber auch jenes seines Cousins
Léon Riesener (1835; Musée du Louvre Paris), lassen den Einfluss der englischen
Bildniskunst erkennen, mit der er sich vor allem während seiner Reise nach
Großbritannien 1825 auseinandersetzte.
Die englische Literatur, besonders die Tragödien William Shakespeares, die
wortgewaltigen Epen Lord Byrons und die historischen Romane Sir Walter Scotts,
wirken nicht nur in dieser Phase als eine der Hauptinspirationsquellen für
Delacroix. Auf die Byron-Lektüre gehen beeindruckende Gemälde wie "Ein getöteter
türkischer Offizier in den Bergen" (1826; Privatbesitz), später "Kampf zwischen
dem Giaur und dem Pascha" (1835; Petit Palais, Musée des Beaux-Arts de la
Ville de Paris) und die beiden Versionen des "Tod des Lara" (um 1847/48
und 1858; beide Privatbesitz) zurück.
Frucht seiner umfassenden Belesenheit und zugleich fragend-existenzielle
Selbstzeugnisse sind die Künstlerbilder: Dem Dichter Torquato Tasso widmet
Delacroix 1824 das Gemälde "Tasso im Irrenhaus" (Privatbesitz), das im selben
Salon wie "Das Massaker von Chios" ausgestellt wurde. Thematisiert Delacroix
hier die Verletzlichkeit, das Ausgeliefertsein des verkannten Künstlers
an die Gesellschaft, so beleuchtet er in dem vier Jahre später entstandenen
Bild "Milton diktiert seinen Töchtern das Verlorene Paradies'" (1827/28;
Kunsthaus Zürich), einem weiteren Künstlerbild, dem Jahrzehnte später unter
anderen "Ovid bei den Skythen" (1859; The National Gallery London) folgte,
die Einbildungskraft des Genies, das aus Erinnerung, Erleben, Vorstellung
und Vision ein Werk und damit eine neue Welt schafft.
Das Tragische, Dramatische und Theatralische, das auch für diese Gemälde
von Belang ist, beherrscht nachdrücklich die Auseinandersetzung mit Goethes
"Faust" (1825/27) und Shakespeares "Hamlet" (1834-1843), die einerseits
vor allem in zwei kühne Lithographie-Zyklen - einen Höhepunkt der romantischen
Druckgraphik - mündet, andererseits aber auch zu Gemälden wie "Hamlet und
Horatio auf dem Friedhof" (1835; Städelsches Kunstinstitut Frankfurt/Main)
und "Der Tod des Valentin" (1847; Kunsthalle Bremen) führt.
Gänzlich unliterarisch hingegen ist Delacroix' Interesse in dieser Zeit
für ein Sujet, das ihn ebenfalls lebenslänglich begleiten wird - das Tier.
Ein frühes Meisterstück, das er 1831 im selben Salon wie "Die Freiheit führt
das Volk" ausstellt, entsteht 1830: "Junger Tiger, der mit seiner Mutter
spielt" (Musée du Louvre Paris) zeichnet sich nicht nur durch eine fein
geglättete, von der konservativen Kritik freundlich begrüßte Malkultur aus,
sondern ist der Darstellung der majestätischen und würdevollen Schönheit
des Tieres gewidmet. |
© Staatliche Kunsthalle Karlsruhe |
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