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Das Spätwerk: 1848-1863
Noch Jahre später gehen Bildideen aus diesen Eindrücken hervor, die zu Meisterwerken
des Orientalismus führen. Das Spätwerk umfasst bis zum Ende - den fantastischen
"Löwenjagden" (1858; Museum of Fine Art Boston, und 1861; The Art Institute
of Chicago) und dem letzten großen Bild, "Kampf der Araber in den Bergen"
(1863; National Gallery of Art Washington), - Rückgriffe auf dieses Schlüsselerlebnis.
Nach 1848 findet sich jedoch auch unvermutet Neues. Unter anderem durch
Aufträge für die Ausmalung von Kirchen angeregt, befasst sich Delacroix
intensiver denn je mit religiösen Motiven. 1853 malt er zum Beispiel mehrere
Versionen des "Christus auf dem See Genezareth" (1853; Stiftung Sammlung
Bührle Zürich und Metropolitan Museum of Art New York), "Christus am Kreuz"
(um 1853/56; Kunsthalle Bremen) oder "Der Körper des heiligen Stephanus,
von seinen Schülern und den heiligen Frauen fortgetragen, um ihn zu bestatten"
(1853; Musée des Beaux Arts Arras).
Völlig unbeschwert, wie eine Erinnerung an die gemeinsamen Spaziergänge
mit George Sand durch deren Garten in Nohant muten die opulenten Früchte-
und Blumenstillleben an, die er 1849 im Salon zeigt: "Früchtekorb in einem
Blumengarten" (Museum of Art Philadelphia) und "Ein umgefallener Blumenkorb
in einer Parklandschaft" (The Metropolitan Museum of Art New York). In diesen
Bildern schwelgt er nicht nur mit barockem Überschwang im Reichtum der Farbe
und erweist sich als Meister der Komposition, der Dekoration und der Raumsuggestion,
sondern er führt vor allem noch einmal - wie auch in den gewaltigen Tierbildern
- Energien und Entwicklungsprozesse in der Natur und deren Wirkung auf die
menschliche Emotionalität vor Augen. Auch mit diesen Werken - die noch niemals
in Deutschland zu sehen waren - erweist sich Delacroix als Künstler, der
sowohl seine Zeit als auch existenzielle Determinanten in seiner Kunst mit
einem hohen Maß an intellektueller Präsenz und bildnerischer Genialität
reflektiert.
Dr. Kirsten Claudia Voigt
(Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe)
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© Staatliche Kunsthalle Karlsruhe |
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